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Hier finden Sie Interessantes aus der Historie rund um die Regimentsmusik des Ersten Garderegiments zu Fuß.  Die Auflistung ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Diese Ausarbeitung wäre ohne die Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Militärmusik e.V. nicht möglich gewesen. Daher an dieser Stelle nochmals der Dank an die DGfMM.


1. Regimentsmärsche

Angaben nach dem "Verzeichnis der Präsentier- und Parademärsche" vom Obermusikinspizient des Heeres, Prof. Schmidt aus dem Jahre 1940 und der "Deutschen Militär-Musiker-Zeitung", Jhrg. 1940, Seite 252 ff., Artikel von Wilhelm Zippel, Berlin (ehemaliger Militärmusiker im Ersten Garderegiment zu Fuß). Wilhelm Zippel stellte diese Märsche anläßlich des 250jährigen Regimentsjubiläums des Ersten Garderegiments zu Fuß am 04.06.1938 zusammen, an welchem Tage sie auch in Potsdam aufgeführt wurden.


1.1 Regimentsmärsche der Vorgängertruppenteile


1.1.1 Regimentsmärsche des Regiments Lottum, bzw. Coenen, bzw. Goltz, bzw. Garde Nr. 15

* Brandenburgers (um 1680)

* Marsch von dem König von Preußen (um 1701)

* Marche royale (um 1700)

* Marsch der Ersten Garde des Königs Nr. 15 (um 1730)

* Marsch vom I. Bataillon Garde Nr. 15 (1789)

* Marsch vom I. Bataillon Leib-Garde Nr. 15 (1790)

* Marsch für das II. Bataillon Kgl. Preußische Leibgarde Nr. 15, komponiert von Rötscher I (um 1800)

* Marsch des I. Bataillons Garde Nr. 15 1805, AM I, 7[1]


1.1.2 Regimentsmärsche des Regiments Kurprinz, bzw. Kronprinz, bzw. Bataillon Grenadiergarde Nr. 6

* Marsch des Prinzen Ludwig von Brandenburg (um 1680)

* Die Deutschen Grenadiere (um 1690)

* Grenadier-Guarde-Marsch (1713-1740)

* Grenadiermarsch des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 (1743 - 1748)

* Königsmarsch von der Leib-Grenadier-Garde Nr. 6 (um 1750)

* Marsch des Regiments von Saldern Nr. 6 (1759 - 1766)


1.1.3 Regimentsmärsche des Regiments Prinz von Preußen, bzw. Kronprinz von Preußen, bzw. des

         Königs Nr. 18

* Der Brandenburgische Marsch (um 1690)

* Marsch des Regiments von Derschau (1738 - 1742)

* Marsch von dem Regiment von Preußen Nr. 18 (1742 - 1786)


1.2 Regimentsmärsche des Ersten Garderegiments zu Fuß

* Alter Russischer Marsch , AM I, 24 von Gluck (1. offizieller Präsentiermarsch des Regiments, A.K.O. dazu nicht nachweisbar)

* Marsch des Königlichen Regiments Grenadiers 1713 - 1740, AM II , 214 (mit A.K.O. vom 27.014.1893 der 1.offizielle Präsentiermarsch des Regiments, ersetzte damit den vorgenannten Marsch)

* Marsch des I. Bataillons und des Regiment Garde Nr. 15, AM I, 54 (mit A.K.O. vom 07.11.1895 der 2. offizielle Präsentiermarsch des Regiments )

* Marsch des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6, AM I, 55 (mit A.K.O. vom 07.11.1895 der 3. offizielle Präsentiermarsch des Regiments)

* Marsch des Yorckschen Korps, AM II, 37 von Ludwig van Beethoven (offizieller Parademarsch des Regiments bei Marsch in Zügen, A.K.O. dazu nicht nachweisbar)

* Marsch nach Motiven der Oper "Moses" von Gioacchino Rossini, AM II, 58 (offizieller Parademarsch des Regiments bei Marsch in Regimentskolonne, A.K.O. dazu nicht nachweisbar)

* Geschwindmarsch nach Motiven aus Quadrillen, AM II,126 von Johann Strauß (Parademarsch in Kompagniefronten, I. Bataillon, A.K.O. dazu nicht nachweisbar)

* Helenenmarsch, AM II,173 von Friedrich Lübbert (Parademarsch II. Bataillon, A.K.O. dazu nicht nachweisbar)

* Defilier-Marsch, AM II,168 von Carl Faust (Parademarsch Füsilierbataillon, A.K.O. dazu nicht nachweisbar)


2. Ausführliche Formationsgeschichte


Die Aufstellung der Regimentsmusik begann parallel zu der Errichtung des Regimentes 1806 und war 1813 abgeschlossen. Sie war der Leibkompagnie unterstellt und hatte einen festen Etat, der zunächst 48, dann 42 und ab 1912 nur noch 36 Hoboisten betrug. In das gleiche Jahr fällt auch die unmittelbare Unterstellung unter das Regiment. In dieser Formation bestand dann die Regimentsmusik bis 1919 fort, dann wurde sie mit dem Regiment zusammen aufgelöst. Die Instrumente wurden meist vom Etat des Offizierscorps des Regimentes bezahlt.


Besetzungsliste der Regimentsmusik und der Spielleute des Ersten Garderegiments zu Fuß um 1900


Im Besitz des Offiziercorps befand sich bei der Aufstellung des Regimentes ein alter Schellenbaum, welcher in den Befreiungskriegen  und danach bis zur Neubeschaffung eines Schellenbaumes 1852 weiter genutzt wurde. Von welchem Regiment dieser stammte, ist unbekannt.


Allen Militärmusikern der preußischen Armee gleich waren die sogenannten "Schwalbennester". Beim Ersten Garderegiment zu Fuß waren diese von Beginn an ponceaurot und bei den Spielleuten mit 8 weißen, senkrechten Wollborten besetzt. Unten herum verlief eine ebensolche quer. Bei Hoboisten im Unteroffiziersrang und Hilfsmusikern, also meist Gemeinen, Gefreiten, bzw. Kapitulanten, war der Besatz aus der Unteroffizierstresse des betreffenden Truppenteils gearbeitet. Hier demnach aus 2,1cm breiter, gemusterter Silbertresse. Bei der Garde trugen die Spielleute von jeher 5,5cm lange weiße Wollen-, die Hoboisten usw. 3cm lange silberfarbene Fransen. Die Stabshoboisten und Bataillonstambours, nur soweit sie Unteroffiziersrang besaßen, 7cm lange Kantillenfransen, die die Garde stets, die Linie erst nach A.K.O. vom 06.05.1847 führte. Bataillonstamboure, die nicht Unteroffiziersrang besaßen, bekamen mit A.K.O. vom 28.014.1811 um Kragen und Ärmel weiße Bandborten und Unteroffizierstroddel. Der Bataillonstambour der Füsiliere wurde nun "Stabshornist" genannt, was aber nach den Freiheitskriegen, wie auch die Tamboure ohne Unteroffiziersrang, nicht mehr in Erscheinung trat.

Als der König im Frühjahr 1813 in Breslau weilte und den Wunsch nach einem "tüchtigen" Stabshoboisten für das Regiment Garde zu Fuß äußerte, empfahl ihm der musikliebende Kommandeur der Oberschlesischen Infanterie-Brigade, General von Pirch, Carl Josef Krause. Dieser, auch Sohn eines Musikers, spielte Waldhorn, Fagott und Klarinette und galt durch seine Tätigkeit in der Kapelle des Ministers Graf Hoym zu Breslau als ausgezeichneter Virtuose. Er erhielt die Anstellung, machte den Feldzug 1813/15 mit.


Stabshoboisten trugen nach A.K.O. vom 15.01.1817 das Portepee, wenn sie wirkliche Musikmeister waren gemäß A.K.O. vom 14.01.1828 sogar den Offiziersdegen.


1828 ging der bisherige Stabshoboist Carl Josef Krause in Pension. Zu seinem Nachfolger wurde auf besondere Empfehlung der 1817 als Hoboist beim 31. Infanterieregiment in Erfurt eingetretene Carl Engelhardt ausersehen. Er blieb auf diesem Posten bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1857. Während seiner Dienstzeit erschuf er zahlreiche Kompositionen und Arrangements für Militärmusik. Von seinen Marschkompositionen wurden vier in die Sammlung der Preußischen Armeemärsche aufgenommen.


Im Jahre 1852 wurde ein für 800 Thaler neuer Schellenbaum nebst neuer Paradeflagge beschafft, der alte wurde danach verkauft. Das Offizierscorps kaufte ihn jedoch später von einem Berliner Händler aus eigenen Mitteln zurück und bewahrte ihn im Offizierscasino auf.

1857 wurde  Friedrich Wilhelm Voigt vom "Direktor der gesamten Musikchöre des Gardecorps", Wilhelm Wieprecht, dem König Friedrich Wilhelm IV. für die vacant gewordene Stellung des Stabshoboisten im Ersten Garderegiment zu Fuß vorgeschlagen. Er war zu diesem Zeitpunkt erst 24 Jahre alt! Er 1833 war als Sohn des Stabshoboisten Christian Voigt im damals in Koblenz liegenden Infanterieregiment Graf Werder Nr. 30geboren. Nach dem Besuch der höheren Schule in Koblenz und Trier studierte er am Musikkonservatorium in Köln, um sich dann einem mehrjährigen Studium unter bedeutenden Lehrern in Leipzig und Berlin, u. a. in der Opernkapelle der Hauptstadt, zu widmen. Für seine Abschlußarbeit, eine Choral-Symphonie für Großes Orchester "Ein feste Burg", wurde ihm die Silberne Medaille der Königlichen Akademie für Kunst und Wissenschaft verliehen. Als Voigt 1857 die Stelle als Stabshoboist beim Ersten Garderegiment zu Fuß antrat, mußte er sich zunächst einer militärischen Ausbildung unterziehen, denn es war das erste Mal, daß ein Ungedienter Stabshoboist wurde. Die Tatsache, daß seine Kapelle als einzige die Musik bei Hofe stellte, zeigt ihren hohen Leistungsstand unter Voigts Stabsführung. Er war Teilnehmer der Feldzüge 1866 und 1870/71 und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Voigts Geburtstag fiel mit dem des späteren Königs und Kaisers Wilhelm I. (1797- 1888) zusammen. Bei der Paradeaufstellung des Regiments im Lustgarten am 22. März jeden Jahres wurde er von diesem stets vor der Front beglückwünscht, worauf Voigt seine Wünsche für den alten Herrn erwiderte.


Einen Tag nach der Kaiserproklamation in Versailles am 18.01.1871 wurde von der Regimentsmusik unter Friedrich Wilhelm Voigt der von ihm eigens zu diesem Ereignis komponierte Marsch "Salus Caesari nostro Guilemo" mit der Hymne im Trio aus Händels Oper "Judas Maccabäus", "Seht, da kommt er preisgekrönt...", der später mit der Nummer 205 in die Preußische Armeemarschsammlung einging, aufgeführt.


Im Jahre 1874 wurde beim Hoflieferanten Beyerhaus in Potsdam für 575 Thaler ein neuer Schellenbaum nebst neuer Paradeflagge beschafft.


1878 wurde der Stabshoboist im Ersten Garderegiment zu Fuß, Friedrich Wilhelm Voigt zum Königlich Preußischen Musikdirektor befördert.


1887 schuf das Kriegsministerium die Stelle des "Armee-Musikinspizienten". Friedrich Wilhelm Voigt wurde im gleichen Jahr dorthin bestellt. Sein Nachfolger als Stabshoboist im Ersten Garderegiment zu Fuß wurde Fritz Möller vom Infanterieregiment Graf Schwerin Nr. 14, zuletzt Stabshoboist-Aspirant bei den Garde- Füsilieren.


Nach A.K.O. vom 28.07.1889 erhielten Musikmeister die doppelte Ärmeltresse, wie die etatmäßigen Feldwebel.


Am 01.04.1890 wurde dem ehemaligen Stabshoboisten im Ersten Garderegiment zu Fuß und damaligen Armee-Musikinspizienten Friedrich Wilhelm Voigt anläßlich seines Ausscheidens aus seinem Amt ein weiterer Ehrentaktstock verliehen. Der neue Ehren-Taktstock wurde in einer Schatulle aufbewahrt. Diese Schatulle hatte die Maße: 37cm lang; 4,5cm tief, 4,0cm hoch. Es war ein Holzkasten, darauf unter Spannung verklebtes schwarzes Buchbinderleinen, feingenoppt wie der Fischhautbezug auf dem Griff des Infanterie-Offiziers-Degens (IOD) Modell 1889. Am Boden und an der Kanteneinfassung des Deckels befand sich mittig eine feine Prägerille; auf dem Deckel nach Art eines Buchrückens vier feine Prägerillen, eine breitere mittig. Frontseitig am Deckel waren zwei längliche, weißmetallene Schatullenbeschläge (Schließen) in Metallschneide/-stanzarbeit mit inwärts umgelegten, viertelgebördelten Außenkanten; die Schließen waren bei den Außenverzierungen am Kasten gestiftet. Mittig auf dem an den Längskanten leicht gewölbten Schatullendeckel war ein kaiserliches Emblem: Ein etwa Groschengroßes kreisrundes Medaillon mit feuervergoldetem, schmalen Rand, mit marineblauem Fließquarz (Emaille) ausgegossen, von leicht gewölbter Oberfläche. Darauf erhaben eine gotische „W“-Chiffre, darunter eine römische „II“, also das Emblem für Kaiser Wilhelm II. Auf dem Medaillon saß oben das Symbol der deutschen Kaiserkrone, links und rechts gesäumt von zwei gefalteten Schleifen. Diese Staatssymbolik ist in Bezug auf den Armee-Musikinspizienten unzutreffend. Friedrich Wilhelm Voigt war sowohl als Stabshoboist, dann seit 1878 als Königlich Preußischer Musikdirektor beim Ersten Garderegiment zu Fuß, sodann als Armee-Musikinspizient dem König von Preußen als Landesherr und Dienstherr über das Königlich Preußische Heereskontingent untertänig und nicht dem Deutschen Kaiser. Der Buchbinder scheint sich hier aushilfsweise eines Uniform- oder Ausrüstungsattributs der Kaiserlichen Marine, der Marine-Infanterie, der Schutztruppen oder des Yachtclubs o. ä. bedient zu haben. Das Innere des Schatullenkastens war mit königsblauer gewässerter Damastseide ausgeschlagen und mit weichem Textil/Buchbinderpapier unterfüttert. Auf dem Boden waren vier Stellrippen als Waage zur Einlage des Dirigentenstabes montiert. Eine umlaufende schmale zweigedrillte Kordel säumte den Bezugsstoff im Deckel und Kastenboden. Der Dirigentenstab hatte eine Gesamtlänge von 35cm, davon mittig 25cm der eigentliche Stab aus hochglanzlackiertem schwarzen Ebenholz. Diesem Mittelstück war als obere Hauptapplikation eine 6cm hohe und 3,5cm breite, 5 – 7cm dicke elfenbeinerne Lyra aufgesteckt, die auf einer knapp 3cm hohen Säulentrommel aufsaß, welche im oberen Drittel von einem umlaufenden Lorbeerband gesäumt war. Der untere Abschluß des Ebenholzstabs bestand aus einem 3,5cm hohen elfenbeinernen Knopf: Eine etwa 3cm hohe Säulentrommel, zu 1cm unten glattpoliert, war oben erhaben von 6 halbreliefierten, herabfallenden Akanthusblättern überdeckt, darauf eine kleine Kugel (Durchmesser: 0,5cm). Unterhalb des elfenbeinernen Lyra-Dekors war dem schwarzen Stab ein nach oben aufsteigendes silbernes Schriftband, 2½ mal umgeschlagen, mit Silberstiften in den Schwalbenschwanzenden aufgenagelt. Das Bandeau trug die Gravur „Dem Kgl. Musikdirektor F.W. Voigt gewidmet. 1. IV. 1890“ Am unteren Ende des Ebenholzstabes, nahe dem Akanthusblatt, war mit 4 Stiften eine silberne, gut 3½cm lange und 1cm hohe Gedenkplatte (längsrechteckig mit Ausbuchtungen an den Schmalseiten) fixiert. Sie trug in Schwabacher Fraktur die Gravur: „1. G. R. z. F.“ Dieser einmalige Ehren-Taktstock hat mitsamt der Schatulle die Zeiten überdauert und befindet sich heute im Besitz eines Mitgliedes der Deutschen Gesellschaft für Militärmusik e.V.


Am 09.02.1894 wurde Stabshoboist Fritz Möller zum "Königlichen Musikdirektor" ernannt, ohne die hierfür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt zu haben. Normalerweise wurden Stabshoboisten nach 18 - 20 Dienstjahren zum "Musikdirigenten" ernannt, nicht zu verwechseln mit dem Titel "Musikdirektor", welcher nicht vom Kriegs- sondern vom Kultusministerium aufgrund besonderer Voraussetzungen zuerkannt wurde. Möller aber wurde auf folgende Weise zum "Musikdirektor": Als sich das Musikkorps des Ersten Garderegiments zu Fuß auf einer Konzertreise in Hamburg befand, wurde Möller bekannt, daß Kaiser Wilhelm II. persönlich zur Eröffnung der Fischereiausstellung in Altona erscheine. Er schickte sofort zwei Hoboisten nach Potsdam, ließ die weißen Hosen und Grenadiermützen holen und nahm in Paradeuniform am Eingang der Ausstellung Aufstellung. Der Kaiser, sehr beeindruckt und erfreut, bedankte sich für die Überraschung und redete Möller mit "Herr Musikdirektor" an. Von seinem Adjutanten darauf aufmerksam gemacht, daß Möller nicht "Musikdirektor", sondern "Musikdirigent" sei, antwortete der Kaiser: "Was ich gesagt habe, bleibt bestehen!"

Nach den Unterlagen der Fa. Imme in Berlin ist am 15.06.1895 ein Schellenbaum (mit Paradeflaggen) des Ersten Garderegiments zu Fuß  renoviert worden. Er hat ferner ein Paar neue schwarz-weiße Büffelhaare erhalten.


Nach A.K.O. vom 27.01.1896 trugen auch die Hoboisten und Spielleute die Grenadier- bzw. Füsiliermütze, jedoch mit roter Püschel.


1902 wurde der letzte Schellenbaum nebst je einer Parade- und Dienstflagge beschafft.


1905 reiste Kaiser Wilhelm II. nach Tanger (Marokko). Dabei führte ein Marokkaner das Pferd von S.M.. Dieser Farbige gefiel Wilhelm und so "schenkte" ihm der dortige Sultan den baumlangen Mauren Namens Ben Aissa. Dieser stammte aus Fez, sein Vater war dort Kammerdiener des Sultans und er selbst Fechtoffizier. Als er Wilhelm begegnete, war er 18 Jahre alt. Mit seinem Einverständnis kam er Pfingsten 1906 nach Potsdam, wo er anfangs noch seine Heimattracht trug. In dieser machte er das Manöver und die Übung des Regimentes im gleichen Jahr in Döberitz mit. Im Herbst fuhr er in seine Heimat zurück und blieb den Winter über bei der deutschen Gesandtschaft in Tanger. Im Frühjahr 1907 kam er nach Potsdam zurück und wurde in die Uniform des Ersten Garderegiments zu Fuß eingekleidet und der Leibkompagnie als Schellenbaumträger zugeteilt. Der 1,88m große Mann (manche Quellen nennen 2,10m als Größe) erreichte mit aufgesetzter Grenadiermütze stattliche 2,25 m. Er wurde 1908 zum Unteroffizier und 1913 sogar zum Vize-Feldwebel befördert.[5]  "Die Regimentsmusik des I. Garderegiments zu Fuß in Potsdam erhält einen 2,10 Meter großen schwarzen Schellenbaumträger, den Kaiser Wilhelm aus Marokko mitgebracht hat. Das Leibgarde- Husarenregiment hat schon einen schwarzen Paukenschläger." (Archiv DGfMM, Tagesspiegel, Nr. 2954, vom Sonntag, den 29.05.1955, unter Rubrik "Heute vor 50 Jahren", es handelt sich also um die Meldung dieser wöchentlich erscheinenden Zeitung zwischen dem 29.05. und 04.06.1905) "Der schwarze Schellenbaumträger beim 1. Garde-Regiment steht im Range eines Unteroffiziers. Der schwarze Kesselpaukenschläger bei den Garde-Husaren ist Gefreiter. Beide sind Kapitulanten und müssen infolgedessen nach zwölfjähriger Dienstzeit den Zivilversorgungsschein unter denselben Voraussetzungen erhalten wie jeder andere Militäranwärter. Dem Schellenbaumträger vom 1. Garde-Regiment müssen ebenfalls Ehrenbezeugungen erwiesen werden wie den übrigen Unteroffizieren. Der schwarze Gefreite bei den Garde-Husaren dient bereits sechs bis acht Jahre und ist trotzdem über den Gefreitengrad noch nicht hinausgekommen." (leider nicht näher beschriebener Zeitungsausschnitt aus dem Archiv der DGfMM, jedoch ist anzunehmen, daß dieser aus der "Deutschen- Militär-Musiker-Zeitung" und deren Rubrik "Fragekasten" stammt.)

"Die Stabshoboisten erhielten 1908 die Bezeichnung Musikmeister, nach längerer Dienstzeit Obermusikmeister und rangierten als Unteroffiziere mit Portepée vor den Feldwebeln. Die ihnen neun verliehene Uniform mit rotgeflochtenen Achselstücken glich der Offizieruniform. Der Musikmeister des Regiments war eine wichtige Persönlichkeit bei jedem Vorbeimarsch, besonders bei der Parade. Während die Spielleute mit dem Locken anmarschierten, trug der Regimentstambour die Verantwortung für das Tempo, das 1889 von 112 auf 114 heraufgesetzt war. Sobald die Musiken standen und einsetzten, war der Musikmeister für das Tempo verantwortlich. Eine Uhr, die er in der linken Hand hielt, zeigte ihm das Tempo an. Se. Majestät der Kaiser war bei Paraden sehr empfindlich gegen schleppendes Tempo; auch manche Vorgesetzte hatten ein feines Gehör oder glaubten es zu haben. Trotz Hinweis auf die Uhr entgingen die Musikmeister manchmal mit knapper Not dem Verhängnis, wegen falschen Tempos bestraft zu werden." (aus der Regimentsgeschichte)


1909 quittierte Musikdirektor Fritz Möller im Alter von 60 Jahren seinen Dienst. Sein Nachfolger wurde Walter Bernhagen vom Infanterieregiment Nr. 155 in Ostrowo, welcher 1895 im Grenadierregiment Nr. 5 in Danzig seine Karriere begonnen hatte.


1912 wurde Walter Bernhagen nach nur drei Jahren Dienstzeit als Stabshoboist, bzw. Musikmeister beim Ersten Garderegiment zu Fuß auf eigenen Wunsch Stabshoboist beim 1. Badischen Leibregiment Nr. 109. Man sprach davon, daß er sich "wegen Verletzung seines musikalischen Ehrgefühls" um eine andere Regimentskapelle beworben hatte. Sein Nachfolger war Fritz Bauerfeld. Er kam vom Infanterieregiment 152 in Marienburg, dessen Kapelle er nach beendigtem Hochschulstudium in Berlin im Jahre 1900 übernommen hatte. Er war der letzte Leiter der Regimentsmusik.


Die Regimentsmusik zog 1914 mit dem aktiven Regiment aus und begleitete es beim Vormarsch durch Belgien und Frankreich. Hin und wieder wurden auch im Felde Paraden abgehalten, die selbstverständlich von der Regimentsmusik musikalisch begleitet wurde, teilweise sogar mit klingendem Spiel in zu besetzende Städte einmarschiert, wie z. B. am 04.09.1914 in Epernay in der Champagne. Am 06.09.1914 erhielt bei Givry der Wagen mit den Instrumenten des Regiments einen Volltreffer. Über die weitere Verwendung der Regimentsmusik während des Krieges ist wenig bekannt, es ist jedoch anzunehmen, daß sie zu den auch im Felde stattfindenden Paraden des Regiments stets aufspielte. Am 11.12.1918 hatte sie vermutlich ihren letzten Auftritt, als das Regiment mit der Regimentsmusik an der Spitze in Potsdam einzog. Danach ist die Regimentsmusik mit dem Regiment zusammen aufgelöst worden und ihre Instrumente zum 9. (Preuß.) Infanterieregiment der Reichswehr gelangt.


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Geschichtliches


Regimentsmusik des Ersten Garderegiments zu Fuß

Traditionsmusikkorps Erstes Garderegiment zu Fuß e.V.